Berufliche Perspektiven entdecken: Besuch bei Bosch als Türöffner für Jugendliche
Wie es nach der Schule weitergehen soll, ist nicht immer einfach zu beantworten. Was interessiert mich? Wohin möchte ich gehen? Schaffe ich eine Ausbildung? Das sind Fragen, die viele Jugendliche beschäftigen. Einige von ihnen haben darauf zunächst keine Antwort und fühlen sich überfordert. Hier kommt die Karlshöhe ins Spiel. Diese bietet eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB 3) an, die Agentur für Arbeit finanziert wird. Hier lernen die Jugendlichen verschiedene Perspektiven kennen, können sich beruflich orientieren und erhalten besondere Unterstützung, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Die BvBler*innen bei ihrem Bosch-Besuch.
Dafür braucht es eine Betreuung auf Augenhöhe, aber auch Menschen, die den Jugendlichen zeigen, dass ein Karriereweg nicht immer linear verläuft. Einer, der das weiß, ist Ralf Schinzel. Der 60-Jährige absolviert aktuell einen Bundesfreiwilligendienst auf der Karlshöhe und kümmert sich im Rahmen dessen auch zweimal in der Woche um die BvBler*innen.
Das Besondere dabei ist Ralfs Laufbahn: „Nach über 30 Jahren bei Bosch wollte ich noch einmal etwas Neues kennenlernen.“ Der Familienvater ist seit Januar 2026 auf der Karlshöhe tätig. Zuletzt war er Abteilungsleiter bei Bosch in Schwieberdingen. „Mir macht es Spaß, mit den Jugendlichen zu arbeiten, und die Arbeit erfüllt mich mit Sinn“, erzählt er im Gespräch.
„Eine Ausbildung bei Bosch absolvieren zu können, würde mich sehr erfüllen“, erzählt Nadiia. Sie absolviert aktuell ihre BvB auf der Karlshöhe. „Mein Problem ist die sprachliche Barriere. Meine Deutschkenntnisse reichen aktuell noch nicht für eine Ausbildung.“
Ein eventueller Türöffner könnte der Besuch bei Bosch Schwieberdingen sein, den Ralf Schinzel für die Jugendlichen organisiert hat. Der Standort existiert bereits seit 1968 und ist unter anderem im Bereich Mobility Electronics tätig. „Hier wurde zum Beispiel das Antiblockiersystem für PKWs entwickelt“, erzählt Martin Hochdoerffer, der an diesem Tag die Karlshöher Gruppe betreut. Der 52-Jährige ist nicht nur Ingenieur für Validierung und Analyse von Sensor- und Hochleistungsrechnersystemen, sondern betreut auch Praktikant*innen und Hospitationen. Auch Abteilungsleiter Timo Witzemann nahm sich an diesem Tag Zeit für die Gruppe, stellte sich persönlich vor und spendierte den Jugendlichen eine Pizza zum Mittagessen.
Nach einer kurzen Einführung lernen die BvBler*innen unter anderem das Ausbildungsgebäude kennen. Hier haben Azubis die Möglichkeit, verschiedene Tätigkeiten an Fahrzeugen zu testen, die ohne Spannung durchgeführt werden. „Somit ist sichergestellt, dass sich die Azubis nicht verletzen“, erklärt Aaron, der für die Bereiche Ausbildung und Studium zuständig ist.
Ein weiteres großes Standbein am Standort Schwieberdingen ist der Bereich autonomes Fahren. Hier werden zum Beispiel kleine Kameras gebaut, die sich an den Außenspiegeln der Fahrzeuge befinden, aber auch Radar-Sensoren, die im Bereich Sicherheit eine wichtige Rolle spielen. Sie senden elektromagnetische Wellen aus und messen deren Reflexionen, um in Echtzeit präzise Distanzen, Geschwindigkeiten und Bewegungswinkel von Objekten zu ermitteln.
Spannende Einblicke ins Ausbildungszentrum.
Ein Highlight für die Jugendlichen ist aber ganz klar die Fahrt auf der Teststrecke. Hier wird neuen Autos das „Fahren“ beigebracht. Zum Beispiel wird ein Filter gesetzt, damit sich die Fahrt bei höheren Drehzahlen angenehm anfühlt. Mithilfe einer Software wird anschließend geprüft, ob sich das Auto entsprechend der Vorstellungen verhält.
Der Tag bei Bosch war mit vielen interessanten Einblicken verbunden, aber auch mit einer wichtigen Botschaft an die BvBler*innen: Nicht immer verläuft ein Karriereweg gradlinig. „Ich hatte damals das zweitschlechteste Abitur des Jahrgangs“, verrät Martin Hochdoerffer. An ein Studium war damals noch nicht zu denken – und trotzdem ist er heute erfolgreicher Ingenieur. Auch die Jugendlichen der Karlshöhe müssen an sich selbst und ihre Fähigkeiten glauben, um auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Denn oft geht es nicht nur um Noten, sondern auch um die richtige Portion Disziplin und Selbstvertrauen.