Karlshöher Bewohner dabei im neuen Stück des Theaters Inklusiv

Das Licht wird gedimmt, die Scheinwerfer flammen auf und der Kasper tritt auf die Bühne. Natürlich liegt er als Nächstes im Clinch mit dem Räuber. Und der wiederum ist kein gewöhnlicher Schauspieler. Dargestellt wird er von dem Karlshöher Bewohner Markus Manthey, der vor etwa 15 Jahren über eine Kooperation mit dem Bereich der Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung zum Theater Inklusiv kam. „Schluss mit Kasper“ ist jedoch kein typisches Kasper-Stück“, sagt die Autorin Gabriele Sponner mit einem Augenzwinkern, „auch wenn es neben dem Kasper natürlich den Seppel, den Räuber und die Großmutter gibt“.

Mitfiebern, Lachen und Nachdenkliches

 Tatsächlich geht es um die Bewohner der erfundenen Stadt Sonderburg, die im fiktiven sechsjährigen Krieg vor Kummer ihr Gedächtnis verlieren. Dabei werden Themen aufgegriffen, die angesichts der angespannten politischen Lage wieder brandaktuell sind. Das Besondere dabei ist, dass jede Vorstellung ein Unikat ist, wie Gabriele Sponner im Interview erzählt. „Wir nehmen das, was aus den Leuten kommt“, sagt sie. „Das Stück entsteht beim Spielen und kann sich daher auch verändern.“ Die Schauspielerinnen und Schauspieler interagieren auch mit dem Publikum, beantworten am Ende Fragen und führen die Zuschauer so an das Thema Inklusion heran.

Die 120 Zuschauer, die die Bühne der Karlskaserne füllen, werden in den folgenden 70 Minuten zum Mitfiebern, Lachen und Nachdenken gebracht. Und den meisten Anwesenden wird dieses Erlebnis auch nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen. Denn dieses Stück ist einfach ein Feuerwerk der Fantasie.

Albrecht Fendrich, Bildender Künstler und Musiker, steuert die Musik und das Bühnenbild dazu bei, Antonia Mahr das Kostümbild, Andrea Kittel die Requisiten. Hinzu kommt ein großes Team an Ehrenamtlichen, die überall im Hintergrund Hand anlegen. Elfmal wird das Stück bislang 2025 aufgeführt und ist dabei immer ausverkauft.

Wie eine große Familie

 Wenn man Gabriele Sponner auf das „Theater Inklusiv“ anspricht, gerät sie ins Schwärmen. Dann spricht sie von „ihren Leuten“, einer eingeschworenen Truppe, die sich „wie eine Familie“ anfühlt. Seit 2010 arbeitet die erfahrene Theatermacherin schon mit den Schauspielern mit geistiger und körperlicher Behinderung zusammen, die fast alle von der Karlshöhe stammen.

2025 sind das sechs an der Zahl, darunter auch Markus Manthey, gewiss das eindrucksvollste Schauspieltalent, der beispielsweise in Shakepeares Sommernachtstraum  (Schnock) mitgewirkt hat  in Goethes Faust (Pudel + Hexe) , in Schillers „Wilhelm Tell“(Vogt + Baumgarten) oder in Nathan der Weise (Bischoff).

Für Gabriele Sponner ist „ihr Theater Inklusiv“ ein Herzensprojekt, das ihr oft auch alles abverlangt. „Nach der letzten Aufführung bin ich meistens erstmal zwei Wochen platt“, erzählt sie, hat dabei aber auch ein Lächeln im Gesicht.
„Wenn ich am Ende im Applaus auf der Bühne stehe, habe ich Schmetterlinge im Bauch“, sagt Markus Manthey.

Lasse Fischer

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