Ein Besuch in der Therapeutischen Werkstatt Bietigheim

Mit dem 3D-Drucker zurück ins Leben

Die Atmosphäre in den Therapeutischen Werkstätten Bietigheim wirkt ruhig und konzentriert. Die Menschen, die an großen Tischen sitzen, arbeiten am Bildschirm, an einer Maschine oder handwerklich. Was allen gemein ist: Sie haben eine Aufgabe – ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend.

Eine Frau und zwei Männer stecken kleine Kunststoffteile zusammen. Die werden als Puffer im Kofferraum von Autos verbaut, erklärt Dorian Doerr. Er ist gelernter Modellbauer im Bereich Industrieproduktion, hat daran anschließend eine Ausbildung als Arbeitstherapeut absolviert. „Ich wollte was machen, was mit Menschen zu tun hat und wobei ich meine Begeisterung fürs Handwerk einbringen kann“, erzählt der 39-Jährige. Seit gut acht Jahren arbeitet er in den Therapeutischen Werkstätten in Bietigheim-Bissingen.

Klient*innen mit unterschiedlichsten Erfahrungen

Hier sitzen Menschen zusammen mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und Erlebnissen. „Die sind nicht immer alle schön gewesen“, weiß Dorian Doerr, der die Einrichtung zusammen mit seiner Kollegin Elke Wehrenfennig leitet. Die Werkstätten geben den Betroffenen eine Tagesstruktur. Die reicht von einfachen Beschäftigungen bis hin zu arbeitsmarktorientierten Anforderungen, die auf eine reguläre Arbeitsstelle vorbereiten. Das Angebot stabilisiere die Menschen – auch in anderen Lebensbereichen –, indem es ihre Ressourcen frei lege und deren Glauben an die eigenen Fähigkeiten und somit die Selbsthilfefähigkeit stärke, teilt Dorian Doerr mit. „Es sind einige hier, die sagen: Das ist meine Familie.“

Cornelia Kaine fühlt sich wohl

Sie fühle sich „gut aufgehoben“, sagt Cornelia Kaine. Sie sitzt an einer Nähmaschine. In unzähligen Boxen befinden sich Stoffe, Wollknäuel, Bänder. Alles farblich sortiert. Nähen, das macht sie „total gerne, weil man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat“. Was sie gerade vorbereitet? „Das wird eine Schildkröte in Patchworktechnik“, erzählt die 53-Jährige und strahlt. „Die mache ich für meine Enkeltochter.“ Sie vermisse sie sehr wie auch ihre gesamte Familie, die in Norddeutschland wohnt, verrät Cornelia Kaine ein wenig aus ihrem Leben. Der Liebe wegen sei sie in den Süden Deutschlands gekommen, „das hat nicht geklappt. Da bin ich einmal mehr in ein Loch gefallen. Und aus dem wäre ich allein nicht mehr rausgekommen“. Sie könne im Moment „nicht alleine sein. Ich brauche Menschen um mich. Ich mag die Leute hier. Die Chefs sind toll, die geben ihr Bestes“.
Sie sei Borderlinerin und habe eine bipolare Störung, spricht Cornelia Kaine ganz offen über die Gründe, warum sie in der Therapeutischen Werkstatt ist. Sie sei Betreuerin für Ältere und Menschen mit Demenz gewesen. Ihren Job könne sie „aktuell leider nicht ausüben. Aber ich habe hier gelernt, wieder positiv zu denken.“

Ein echter Künstler ist auch an Bord

In einem angrenzenden Raum ist das sogenannte Atelier. Unzählige Farben, Pinsel, Gläser und Papier stehen den Menschen zur Verfügung. „Wenn sich jemand kreativ austoben will“, erzählt Dorian Doerr und lacht. Eine große Couch lädt zum Ausruhen ein. „Wer möchte, kann sich hierher zurückziehen.“

Mit Sven Diederichsen arbeite auch einer hier, der sich zum echten Künstler entwickelt habe.

Ein Lasergraviergerät kann vieles

Neben der Kreativwerkstatt mit seinem kleinen Fertigungsbereich befindet sich die Holzwerkstatt. Holzpinguine lagern hier neben noch halbfertigen Insektenhotels, das Werkzeug hängt in Reih und Glied griffbereit an den Wänden. Die aktuellste Errungenschaft ist ein Lasergraviergerät. Das habe er „günstig erworben. Es ist schlussendlich über Spenden finanziert worden“, teilt Dorian Doerr mit. An dem Gerät, das um einiges schneller ist als seine beiden Vorgänger, müssten aber noch Einstellungen vorgenommen werden, „dann können auch unsere Menschen mit Unterstützungsbedarf damit Lasergravur-Werkstücke unter Anleitung machen.“

Innovationen: gewusst wie!

Als in der Werkstatt eine MPCNC-Fräse (Mostly Printed Computerized Numerical Control) fehlte, beschloss Dorian Doerr, mit seinem Team selbst eine zu bauen. Doch dazu musst zunächst ein 3D-Drucker angeschafft werden, der die einzelnen Bauteile ausdrucken konnte. Da solche 3D-Drucker ziemlich teuer sind, bestellte die Werkstatt die Einzelteile im Internet und baute zunächst den 3D-Drucker. Mit diesem wurde dann die MPCNC-Fräse ausgedruckt und montiert. Solche Maschinen tragen dazu bei, Menschen in Beschäftigung zu bringen. Somit können beispielsweise Werbegeschenke, aber auch Präzisionsprodukte gefertigt werden.

Schlüsselanhänger aus ausrangierten Krawatten

Und was kann so ein Gerät? Mit einem Lasergraviergerät können Teile ausgeschnitten sowie Motive in organische Materialien eingebrannt werden – beispielsweise das Logo der Therapeutischen Werkstätten in kleine Lederrechtecke. Und die wiederum wurden an Schlüsselanhängern befestigt, die Cornelia Kaine aus ausrangierten Krawatten genäht hat.

Ohne viel Geld an den eigenen Träumen arbeiten

Ein Klient habe unlängst jemandem ein Geschenk machen wollen, plaudert Dorian Doerr aus dem Alltag der Werkstätten. „Ihr könnt hier mit wenig Aufwand etwas Wertvolles schaffen. Ohne viel Geld, könnt ihr an euren Träumen arbeiten“, habe er zu allen gesagt. Und mehr zu sich selbst: „Es freut mich jeden Tag, wenn ich den Menschen, die vielleicht über Jahre arbeitslos waren und nicht mehr viel Selbstbewusstsein haben, ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann.“

Britta Slusar

Elke Wehrenfennig und Fabian Doerr

Elke Wehrenfennig und Dorian Doerr

Gemeinsame Werkstätten-Leitung (Foto: privat)

Zusammenfassung in Einfacher Sprache

Die therapeutische Werkstatt in Bietigheim

In der Werkstatt arbeiten Menschen mit Handicap.

Alle haben eine Aufgabe.

Diese entsprechen ihren Fähigkeiten.

Eine Aufgabe zu haben, das tut ihnen gut.

Manche erarbeiten Bauteile für die Industrie.

Andere erstellen Geschenkartikel.

Manchen malen Bilder und sind Künstler.

Die Werkstatt wird von zwei Arbeitstherapeuten geleitet.

Dorian Dörr und Elke Wehrenfennig.

Dorian Dörr ist auch Modellbauer.

Er hat zusätzlich einen technischen Beruf.

Er ist auch handwerklich sehr geschickt.

Er kann Maschinen selbst bauen.

Mit diesen Maschinen kann die Werkstatt Aufträge ausführen.

So entstehen zum Beispiel Schlüsselanhänger.

Die können andere Firmen an ihre Kunden verschenken.

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